Fanatiker der Freiheit

Wie Thomas Isler in seinem Nachruf in der NZZ am Sonntag schreibt, war Schönenberger nie ein Mann der leisen Töne. Als ihm 1999 das Anwaltspatent entzogen werden sollte, zitierte er den Ketzer Giordano Bruno: «Vielleicht verkündet ihr das Urteil mit grösserer Furcht, als ich es empfange!» Schönenberger provozierte die Obrigkeit immer wieder, doch seine Argumente waren oft stichhaltig, weshalb das Bundesgericht später standesrechtliche Sanktionen gegen ihn aufhob.

Der Mann, der laut «WoZ» durch seine «kompromisslosen, manchmal holzschnittartigen Gesellschaftsanalysen» auffiel, hatte eine klare Vorstellung von Freiheit. Demokratie war für ihn Betrug. Doch trotz seiner Skepsis gegenüber dem Rechtssystem setzte er sich für Menschen ein, die gegen ihren Willen inhaftiert waren. Selbst aus dem serbischen Bauerndorf, in dem er später lebte, half er per Computer. Sein Motto, das auch auf seinem Grabstein stehen soll, war immer «frei denken / frei reden / frei handeln».

Sein Leben war abwechslungsreich: vom Zuger Bauerndorf, wo er aufwuchs, über Zürich, wo er Jura studierte, bis hin zu Reisen und Kurzeinsätzen in Afrika. 1975 war er Gründungsmitglied eines linken Anwaltskollektivs, das sich für die Schwächsten der Gesellschaft einsetzte. Schönenberger war auch an der Verteidigung von RAF-Terroristen beteiligt und nutzte die Europäische Menschenrechtskonvention, um das Schweizer Recht zu modernisieren. Seine wahre Passion jedoch war der Einsatz für zwangsweise eingewiesene Psychiatriepatienten.

Dennoch war das hektische Leben nicht alles für Schönenberger. Er zog sich gelegentlich zurück, segelte auf dem Mittelmeer oder ging nach Kroatien. Unabhängigkeit war ihm wichtig, und er fand sie schließlich in einem serbischen Dorf, wo er als Bauer lebte. Dort baute er mit seiner Familie Nahrungsmittel an und ritt ohne Sattel über die Felder. Und während er in Serbien den einfachen Dingen nachging, setzte er sich weiterhin für die in der Schweiz festgehaltenen Psychiatriepatienten ein. Doch auch in Serbien blieb er aktiv, etwa bei der Sanierung der Wasserversorgung des Dorfes.

Schönenberger war ein Mann, dessen Engagement und unermüdlicher Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit in Erinnerung bleiben werden.