Ein Rezept für den Frieden?

Laut Reinhardt sei seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine viel von einer «Zeitenwende» die Rede. Selbst in linken Kreisen, wo früher der Kriegsdienst verpönt war, werde nun propagiert, die Freiheit müsse «auch mit der Waffe in der Hand» verteidigt werden. Pazifismus und Gewaltfreiheit würden belächelt und verspottet.
Doch Reinhardt stellt die Frage, ob gewaltfreier Widerstand wirklich so unmöglich sei, wie behauptet werde. Für ihn stehe beim gewaltfreien Widerstand der Schutz von Menschenleben im Zentrum – und nicht die Verteidigung von Territorien. Sobald sich ein Land für militärische Verteidigung entscheide, rücke der Schutz von Menschenleben in den Hintergrund. Es entstehe ein Krieg mit Toten auf beiden Seiten.
Die Strategie der Sozialen Verteidigung ziele laut Reinhardt darauf ab, diese Eskalation von Gewalt gar nicht erst zuzulassen. Sie wolle die Institutionen der angegriffenen Gesellschaft bewahren, indem den Aggressoren jede Kooperation verweigert werde. Zwar seien dann Gewaltakte bis hin zu Hinrichtungen zu erwarten. Aber das gigantische Ausmass an Tod und Zerstörung eines Krieges könne verhindert werden.
Reinhardt betont, Soziale Verteidigung sei nicht «feige», sondern erfordere viel Mut. Er nennt als Vorbild den gewaltlosen Widerstand von Gandhi gegen die Briten. Auch gegen die Deutschen habe es erfolgreichen zivilen Widerstand gegeben. Am Anfang des Ukraine-Kriegs habe es wirksamen gewaltlosen Widerstand gegeben, der aber im Schatten der militärischen Gegenwehr zum Scheitern verurteilt gewesen sei.
Für Reinhardt hatte die Soziale Verteidigung in der Ukraine keine Chance, da von Anfang an die territoriale Integrität im Vordergrund gestanden habe. Doch die Idee, mit «Landkarten und Feldherrenhügeln» eine bessere Welt zu schaffen, bleibe naiv. Eine provokative Sicht inmitten der Kriegsbegeisterung.