Himmler wirbt für die ukrainische Armee

Die Plakate zeigen ein Bild aus dem Jahr 1943, auf dem Heinrich Himmler eine ukrainische Einheit inspiziert. Das Wappen der Division und die Aufschrift «80 Jahre Schlacht bei Brody» verdecken Himmler. Die Schlacht bei Brody im Juli 1944 führte zum Tod tausender Angehöriger der «14. SS-Waffen-Grenadier-Division galizische Nr. 1» und öffnete der Roten Armee den Weg nach Lwiw und in das polnische Kernland.

Hitler genehmigte im April 1943 die Aufstellung der SS-Division «Galizien». Die Rekrutierung erfolgte in Zusammenarbeit zwischen SS-Dienststellen und dem «Ukrainischen Militäramt», das vom Melnyk-Flügel der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) dominiert wurde. Berichten zufolge folgten etwa 80.000 Ukrainer der Anwerbung, von denen einige tausend zur militärischen Ausbildung nach Neuhammer geschickt wurden. Bis Herbst 1943 umfasste die Division rund 15.000 Soldaten. Die Einheit war zunächst auf dem Balkan und später an der Ostfront im Einsatz.

Polnische Historiker beschuldigen die Division schwerer Kriegsverbrechen, darunter die «Pazifizierung» des polnischen Dorfes Huta Piernacka im Jahr 1944, bei der fast 90 Prozent der Einwohner ermordet wurden. Trotz dieser dunklen Vergangenheit geniesst die Division in der heutigen Westukraine einen Heldenstatus. Im September 2020 entschied das Oberste Gericht der Ukraine, dass das Wappen der Division keine Verbindung zum Nationalsozialismus aufweise und öffentlich verwendet werden dürfe.

Lwiw gilt als Hochburg des ukrainischen Rechtsextremismus. Der Bürgermeister der Stadt, Andrij Sadowyj, unterstützt regelmässig radikale Nationalisten. Nach der Zerstörung des «Ehrenmuseums» des Holocaust-Täters Roman Schuchewytsch durch eine russische Drohne zu Jahresbeginn 2024, setzt sich Sadowyj für den raschen Wiederaufbau ein. Gleichzeitig bemüht er sich um eine demokratische Fassade für seine Stadt, wie die Städtepartnerschaften mit Frankfurt am Main und anderen deutschen Städten zeigen.

Deutsche Partnerstädte berichten kaum über den Einfluss der Rechtsextremisten in Lwiw. Ein Artikel der «Frankfurter Rundschau» vom Mai 2024 hebt die Kaffeehauskultur, das lokale Bier und den Fussballclub der Stadt hervor, ohne auf die umstrittenen historischen und politischen Aspekte einzugehen.

Diese Informationen stammen aus einem Bericht von Richard Kallok, veröffentlicht im «Overton-Magazin».