Milliarden für den Krieg, Brosamen für die Hungernden

Seit dem russischen Einmarsch im Februar 2022 haben westliche Regierungen enorme Summen mobilisiert. Laut dem «Ukraine Support Tracker» des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) übersteigen die globalen Zusagen für militärische, finanzielle und humanitäre Hilfe bis Frühjahr 2026 die Marke von 500 Milliarden Euro. Hinzu kommen Hunderte Milliarden für die Aufnahme von Geflüchteten. Ganz oben in der Rangliste der spendabelsten Spenderländer findet man die Schweiz – noch vor Deutschland oder den USA.

RangLandTotal Mio EUREinwohnerpro Kopf EUR
1Norwegen24724,154743604516,35
2Dänemark12074,959396952032,92
3Schweden19187,5105492871818,84
4Luxemburg576,0661594870,62
5Estland1181,61366491864,7
6Finnland4433,45565519796,58
7Niederlande13722,317871508767,83
8Schweiz5802,78815385658,25
9Deutschland47232,384482267559,08
10Litauen1595.12862380557,26
11Vereinigtes Königreich32344,467736802477,5
12Kanada16377,638929902420,69
13Lettland679,31884340360,5
14USA118963,3334914895355,2
15Belgien3709,711685814317,45
16Island102,5387803264,31
17Polen6411,036685820174,75
18Frankreich10322,368170228151,42
19Japan18777,6124214766151,17
20Slowakei719,25431892132,4
21Österreich920,69132413100,81
22Kroatien359,7385564193,29
23Tschechien888,91087357381,75
24Irland381,7525501772,64
25Spanien3488,04819669372,37
26Italien4052,55894042568,76
27Slowenien137,5211552165,0
28Südkorea2772,05174196353,57
29Portugal527,81046057350,46
30Australien1052,22643911139,8
31Bulgarien238,3644548136,97
32Rumänien537,31905450828,2
33Griechenland168,51041398216,18
34Neuseeland80,0522810015,3
35Ungarn54,195999855,64
36Zypern4,09181004,36
37Malta2,25350644,11
38Taiwan95,8239232764,0
39Türkei70,8852795530,83
40Indien2,714286276630,0
41China2,314121750000,0

Dieser Einsatz zeigt: Wenn die Politik will, kann sie in kürzester Zeit gewaltige Mittel bereitstellen. Ein Blick auf andere Krisenherde verdeutlicht, was dieses Geld dort bewirken könnte.

Zehn Jahre ohne Hunger

Die globale Hungersnot verschärft sich. Das Welternährungsprogramm (WFP) rechnet für 2026 mit 318 Millionen Menschen, die unter akuter Nahrungsmittelunsicherheit leiden. Um den Hunger bis 2030 vollständig zu besiegen, fehlen der UN-Ernährungsbehörde FAO jährlich rund 93 Milliarden US-Dollar. Das US-Komitee des WFP schätzt, dass etwa 40 Milliarden Dollar pro Jahr genügen würden, um chronischen Hunger weltweit zu beenden. Vergleicht man dies mit dem Ukraine-Hilfspaket von 540 Milliarden Dollar, wird die Dimension klar: Mit dieser Summe hätte man das UN-Programm zur Beendigung des Hungers für mindestens sechs bis zu dreizehn Jahre finanzieren können. Noch drastischer ist der Vergleich bei akuter Nothilfe: Um die 45 Millionen Menschen zu retten, die unmittelbar vom Hungertod bedroht sind, benötigt das WFP jährlich 7 Milliarden Dollar. Die Ukraine-Hilfe hätte das Überleben dieser Menschen für über 75 Jahre gesichert.

Wasserversorgung und Gesundheit 

Ähnlich sieht es beim Zugang zu sauberem Wasser aus. Laut Weltbank und Water. org kosten die Maßnahmen, um allen Menschen weltweit Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen zu ermöglichen, jährlich etwa 114 Milliarden Dollar. Die westlichen Gelder für die Ukraine hätten dieses Defizit fast fünf Jahre lang ausgleichen können. Würde man nur die Grundversorgung finanzieren (28,4 Milliarden Dollar jährlich), hätte die Ukraine-Hilfe fast 19 Jahre lang sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen für die Weltbevölkerung ermöglicht.

Auch in der Gesundheitshilfe sind die Mittel im Vergleich zu Rüstungsausgaben gering. Die Global Polio Eradication Initiative (GPEI) benötigt jährlich 1 Milliarde Dollar, um Kinderlähmung endgültig zu besiegen. Die Ukraine-Hilfe hätte diese Lücke 540 Mal schließen können. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass der Kampf gegen Malaria jährlich 8 Milliarden Dollar kostet. Mit den Mitteln für die Ukraine hätte man diesen Kampf über 60 Jahre finanzieren können.

Schweiz: Einsparungen im Brandschutz 

In der Schweiz zeigt sich dieser Widerspruch besonders deutlich. Am 24. Juni 2026 beschloss der Bundesrat ein Sparprogramm für die Internationale Zusammenarbeit (IZA). Bis 2030 will der Bund 113 Millionen Franken einsparen und rund 100 Stellen abbauen. Die Schweiz zieht sich aus der bilateralen Entwicklungshilfe in Lateinamerika zurück und beendet Programme in mehreren Ländern. Gleichzeitig hat der Bundesrat 1,5 Milliarden Franken für den Wiederaufbau der Ukraine bis 2028 eingeplant; langfristig könnten es bis zu 5 Milliarden Franken werden. Das Hilfswerk-Dachbündnis Alliance Sud kritisiert diesen Kurs und spricht von einer «Stärkung der Feuerwehr auf Kosten des Brandschutzes». Die Schweiz verschiebt ihre Prioritäten zulasten der langfristigen Armutsbekämpfung im Globalen Süden, um humanitäre Nothilfe und den Wiederaufbau der Ukraine zu finanzieren.

Eine Frage der Prioritäten 

Die finanzielle Kraftanstrengung der letzten Jahre entlarvt die Argumente von Geldmangel und Ressourcenknappheit als politische Ausreden. Weltgemeinschaft und Schweiz verfügen über die Mittel, um existenzielle Krisen wie Hunger, Seuchen und Wassermangel zu bekämpfen. Es fehlt allein am Willen, diese Prioritäten über geopolitische Interessen und Budgetanpassungen zu stellen.