Widerstand gegen Unterdrückung

Der Brite ist nicht nur als Mitbegründer der Rockband Pink Floyd bekannt, sondern auch für sein politisches Engagement. In einem Gespräch mit dem US-amerikanischen Journalisten Chris Hedges im Rahmen des «Chris Hedges Report» äusserte sich Waters zu Themen wie Autoritarismus, Kapitalismus und der Notwendigkeit des Widerstands.

Warnung vor einem neuen Weltkrieg
Waters begann das Gespräch mit einer scharfen Kritik an der aktuellen geopolitischen Rhetorik. Er verwies auf einen NATO-General, der laut einem Bericht der «Financial Times» davor warnte, Russland könnte bis 2027 mit Panzerdivisionen durch Europa ziehen. «Das ist absolutes Kindergeschwätz, Kriegshetze», erklärte Waters gegenüber Hedges. Er kritisierte, dass solche Aeusserungen dazu dienten, die Bevoelkerung Europas zu hoeheren Militaerausgaben zu drängen. «Sie reden davon, vier oder fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Waffen auszugeben und mehr Atomwaffen zu importieren», so Waters. Für ihn ist dies Teil einer langjährigen Strategie der Kriegspropaganda, die seit dem Zweiten Weltkrieg andauert.
Kapitalismus und Menschenrechte
Ein zentraler Punkt des Gesprächs war Waters’ Kritik am Kapitalismus, insbesondere in den USA. «Seit 1776 ist in Amerika klar, dass sie kein Interesse an Menschenrechten, Redefreiheit oder Demokratie haben», sagte er. Er betonte, dass sein Engagement auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 basiere, während Konzerne wie Raytheon, Grumman oder Palantir nur an Profitmaximierung interessiert seien. «Sie wollen Jeff Bezos bei seinen 50-Millionen-Dollar-Hochzeiten halten, aber ich will eine Welt, in der meine Kinder zur Schule gehen und wir füreinander sorgen», erklärte der Musiker. Diese Haltung teilt er mit Hedges, der darauf hinwies, dass Fortschritte für Arbeitnehmer, Frauen und Minderheiten in den USA nur durch soziale Bewegungen erreicht worden seien, wie der Historiker Howard Zinn in seinem Buch «A People’s History of the United States» gezeigt habe.
Widerstand gegen die Mächtigen
Waters und Hedges betonten die Bedeutung von zivilem Widerstand. Waters lobte die «wundervollen Menschen», die jeden Samstag in London gegen Ungerechtigkeiten protestieren, und erwähnte eine 83-jährige Frau, die vor dem Obersten Gerichtshof verhaftet wurde. «Das ist alles, was wir tun können: uns organisieren und laut sein», sagte Hedges. Er selbst versuche, jeden Tag mindestens eine kleine Aktion durchzuführen, sei es ein Video oder ein Interview wie dieses. Hedges ergänzte, dass solche Bewegungen die einzige Hoffnung seien, um gegen die Kräfte der Unterdrückung anzukämpfen. Er verwies dabei auf die Arbeit der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese, die die Profite von Unternehmen wie Palantir aus Krieg und Völkermord anprangert.
Die Kontroverse um «The Wall»
Ein persönlicher Aspekt des Gesprächs war Waters’ Kampf gegen Zensur in seiner Branche. Er berichtete, dass er an einer neuen Theaterfassung seines legendären Albums «The Wall» arbeite, die im «The Sphere» in Las Vegas aufgeführt werden solle. Doch er befürchtet, dass einflussreiche Personen wie der bekannte Musikmanager und Investor Irving Azoff dies verhindern könnten. «Sie wollen nicht, dass ich eine Plattform habe, weil ich gegen den Völkermord bin», sagte Waters. Er erwähnte auch die Kontroverse um seine Konzerte, bei denen er in einer Nazi-Uniform auftritt, um die Gefahren des Autoritarismus zu veranschaulichen. Besonders die Gegenüberstellung der Namen von Anne Frank und der ermordeten palästinensischen Journalistin Shireen Abu Akleh habe heftige Reaktionen ausgelöst. «Die Zionisten sind ausgerastet», so Waters, «aber ich werde nicht schweigen.»
Ein Vermächtnis des Widerstands
Das Gespräch nahm eine persönliche Wendung, als Waters und Hedges über ihre familiären Wurzeln sprachen. Waters’ Vater starb im Zweiten Weltkrieg als Soldat, nachdem er zunächst als Kriegsdienstverweigerer agiert hatte. «Sein Mut, sowohl als Pazifist als auch als Kämpfer gegen die Nazis, prägt mich», sagte Waters. Hedges, dessen Vater Prediger war, stimmte zu: «Wir können unsere Väter nicht verraten.» Beide sehen ihre Arbeit als Fortsetzung eines Vermächtnisses von Wahrheit und Liebe. «Wir haben Liebe und Wahrheit auf unserer Seite», betonte Waters und kritisierte dabei Medienmogule wie Rupert Murdoch sowie Politiker wie Donald Trump und Keir Starmer für ihre «Gier und Lügen».
Der globale Süden und die Botschaft des Gaza-Konflikts
Ein weiterer Schwerpunkt war die Situation in Gaza, die Waters als «Spiegel der europäischen Hegemonie» bezeichnete. «Wenn wir in Gaza hineinschauen, sehen wir unser eigenes Spiegelbild», sagte er. Er verglich die aktuellen Ereignisse mit der Kolonialzeit und betonte, dass der globale Süden die Unterstützung des Westens für den Konflikt in Palästina als Fortsetzung imperialistischer Politik wahrnehme. Hedges ergänzte, dass Völkermord tief in der Geschichte westlicher Nationen verwurzelt sei, und verwies auf Beispiele wie die Hungersnot in Bengalen im Jahr 1943 oder die Niederschlagung des Mau-Mau-Aufstands durch die Briten.
Ein Aufruf zur Menschlichkeit
Am Ende des Gesprächs betonten beide die Notwendigkeit, trotz der scheinbaren Übermacht der Gegner weiterzukämpfen. Waters zitierte den tschechischen Dissidenten Václav Havel, der von «Leben in Wahrheit» sprach, und betonte, dass selbst kleine Akte der Freundlichkeit eine subversive Kraft haben können. «Wenn sie diese kleine Flamme der Menschlichkeit nicht auslöschen können, wird das Böse niemals siegen», sagte Hedges. Obwohl Waters Atheist ist und Hedges aus einem christlichen Hintergrund kommt, fanden sie in ihrer gemeinsamen Liebe zu Wahrheit und Gerechtigkeit eine Verbindung. «Wir gehen vielleicht unter, aber wir gehen kämpfend unter», schloss Waters.