
Gewerkschaften fordern substanzielle Lohnerhöhungen
Höchste Zeit für höhere Löhne
Die grossen Schweizer Gewerkschaften fordern in der kommenden Lohnrunde Erhöhungen von bis zu 5 Prozent. Sie kritisieren die ungenügende Lohnentwicklung der letzten Jahre und sehen deutlichen Nachholbedarf. Trotz guter Wirtschaftslage hätten die Arbeitgeber zu harte Positionen bezogen.
von Pietro Cavadini | 2. September 2024
Die Lohnentwicklung in der Schweiz sei «mehr als ernüchternd», sagte Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), vor den Medien in Bern. Trotz insgesamt guter Konjunktur lägen die Reallöhne heute unter dem Niveau von 2019. «Ob Verkäuferin im Detailhandel, Industriearbeiter, Büezer auf der Baustelle oder Mitarbeitende im Gastgewerbe oder der Pflege: Sie alle kämpfen jeweils am Monatsende mit hohen Rechnungen und ungenügenden Löhnen», ergänzte Vania Alleva, Präsidentin der Gewerkschaft Unia.
Rückstand von über 5 Prozent
Gemäss Berechnungen des SGB beträgt der Rückstand der Löhne gegenüber der Entwicklung von Lebenshaltungskosten und Arbeitsproduktivität über 5 Prozent. In Franken ausgedrückt hätten die unteren und mittleren Einkommen heute 300 bis 500 Franken mehr Monatslohn, wenn das Lohnpotenzial seit 2000 ausgeschöpft worden wäre, erklärte Lampart.
SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard ortet einen «fehlenden Konsens», dass Löhne und Renten heute mit den Lebenshaltungskosten Schritt halten müssten. «In den sieben Jahrzehnten nach dem Krieg erlebten wir andere geopolitische Ereignisse, die teilweise viel stärkere Inflationskrisen auslösten. Und dennoch hielten sich die Reallöhne damals besser», sagte er. Heute werde hingegen das «Prinzip des Kaufkrafterhalts in Frage gestellt» und vor einer «Lohn-Preis-Spirale» gewarnt.
Öffentlicher Dienst nicht ausgenommen
Der öffentliche Dienst sei von dieser Entwicklung nicht ausgenommen, betonte Natascha Wey, Generalsekretärin des VPOD. Im Gegenteil: Gemäss Auswertungen ihres Verbands seien die Reallöhne in einigen Kantonen 2020 bis 2022 sogar stärker gesunken als in der Privatwirtschaft – obwohl viele Kantone hohe Überschüsse erzielten. Auch im Gesundheits- und Sozialwesen seien die Reallöhne erneut um 2 Prozent gesunken.
Nationale Lohn-Demo am 21. September
Die SGB-Verbände fordern von den Arbeitgebern nun Lohnerhöhungen von bis zu 5 Prozent, um den Anstieg der Lebenskosten, die diesjährige Teuerung und den Produktivitätsfortschritt auszugleichen. Für den 21. September rufen sie zu einer nationalen Lohndemonstration in Bern auf. Die Arbeitnehmenden würden dann «auf die Strasse gehen und ein Zeichen für generelle Lohnerhöhungen, gute Gesamtarbeitsverträge und anständige Mindestlöhne setzen», kündigte Vania Alleva an.