
Kriegsgewinne und Realitätsverlust: Die Interessen hinter dem Ukraine-Konflikt
Medienhype und Machtinteressen
Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine endete die Corona-Krise. Das ist seltsam, aber kein Zufall. Es geht um mediale Aufmerksamkeit. Corona war ein Medien-Hype und wurde heruntergefahren. Alle Kapazitäten wurden auf die mediale Deutung des Krieges gegen Russland konzentriert. Die psychologische Kriegsführung der USA erreichte eine nie dagewesene Intensität und hatte breiten Erfolg. Die sogenannte Friedenskonferenz in der Schweiz zeigte die Macht und Fadenscheinigkeit der Medien. Doch der Widerstand wächst.
von Rob Kenius | 23. Juni 2024
Kriegstüchtigkeit, Selbstverteidigung, Angriffe auf Ziele in Russland und Schutzbunker sind im Gespräch, während die Forderung nach Frieden in politischen Reden, Tweets und grossen Medien diskreditiert wird. Für diese aggressive Haltung gibt es ein Argument: Wir müssten uns gegen Russland verteidigen, das beabsichtige, europäische Länder anzugreifen, um ihnen Freiheit, Demokratie und Wohlstand zu nehmen.
Für diese Behauptung gibt es keine tragfähigen Belege. Umgekehrt ist klar, dass die USA, mit der Nato als Instrument, sich seit dreissig Jahren militärisch immer näher an die Grenzen Russlands geschoben haben und Moskau quasi in die Zange nehmen.
Genau so lange fordern Russen, die Bedrohung zu stoppen und durch Verträge Sicherheit zu schaffen, die auch für sie gilt. Es sind die USA, die das, was Gorbatschow wollte, verhindert haben und seit der Nachkriegszeit einen psychologischen Krieg erst gegen die Sowjetunion und dann gegen Russland führen. Der Gipfel dieser Bewegung war Joe Bidens und seines Sohnes Interesse an der Ukraine. Es kam zur Stationierung nuklearfähiger Raketen an der russischen Grenze und zum geplanten Nato-Beitritt.
Wechselnde Gespenster
Solange die Sowjetunion bestand, besonders in der Stalin-Ära, konnte man die Phobie der USA verstehen. Kommunismus war für Amerikaner eine Horrorvorstellung: Abschaffung des Privateigentums an Medien, Fabriken, Ölquellen, Banken und Fluggesellschaften.
Es gab in den USA eine hysterische Angst vor dem Kommunismus, obwohl dort nie eine starke kommunistische Bewegung existierte. Diese Hysterie, personifiziert durch Senator Joseph McCarthy, der sich mit 49 Jahren zu Tode soff, wurde vom Militärisch-Industriellen Komplex auf die Sowjetunion projiziert und bewirkte im Kalten Krieg ein Wettrüsten bis zum zwanzigfachen Potential, die gesamte Menschheit auszurotten.
Obwohl die UdSSR sich vor mehr als dreissig Jahren friedlich auflösten und die demokratische Regierung die Vergesellschaftung der Produktionsmittel rückgängig machte, hat sich in der Denkrichtung der USA nichts geändert. Die Nato, als Bündnis gegen das Eindringen sowjetischer Kriegsschiffe nach Westen gedacht, hat sich zu Wasser, zu Land und in der Luft permanent nach Osten ausgedehnt, jetzt gegen Russland gerichtet. Das ist irrational und fern jeder Realität, es funktioniert nur mit psychologischer Kriegsführung, in der die Amerikaner eine nie dagewesene Meisterschaft entwickelt haben.
Dieser gross angelegte psychologische Krieg ist Grund für die Hysterie, die sich in Politik und Medien nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine ausgebreitet hat, eine Psychose, die sogar in neutralen Staaten wie Schweden, Finnland und der Schweiz die Geister verwirrt. Es handelt sich um eine Art Gleichschaltung des Denkens zwischen Staat, Finanzmacht, Medien und einer leichtgläubigen Bevölkerung.
Realitätsverlust und Machtpolitik
Für Deutschland ist das strukturell leicht erklärbar: Die öffentlich-rechtlichen Anstalten werden vom Staat gelenkt, die privaten gehören einigen reichen Familien. Wenn die regierenden Parteien die Interessen der Geldbesitzer vertreten – und das tun sie – sind private Medien und öffentlich-rechtliche Anstalten ideologisch konform. Das wurde in der Corona-Krise überdeutlich. Regierung und Medien haben die Meinungsbildung der Massen voll im Griff. Ein Zustand, der Demokratie weitgehend unmöglich macht.
Wer die Realitäten der amerikanischen Machtpolitik im Auge hatte, darunter viele Militärs und Intellektuelle, auch in den USA, erkannte längst, dass Russland irgendwann agieren müsste, um seine Stellung als grösstes und rohstoffreichstes Land der Welt gegen den Zugriff der USA zu behaupten. Es war auch klar, dass Moskau, im Besitz von gleichwertigen Atomwaffen und möglicherweise besserer Raketentechnik, nicht einfach einknicken würde.
Eine andere Lösung als den Einmarsch von Truppen über die ukrainische Grenze ist schwer zu finden. Es handelt sich um Machtpolitik und das einzige Machtmittel gegen die USA, das Russland besitzt, ist die militärische Stärke. Sanktionen wären nutzlos, wie die jetzt praktizierten Sanktionen gegen Russland zeigen. Russisches Gas und Öl brauchen die USA nicht, Uran, Gold und Diamanten bekommt man auch aus Afrika.
Die Russen hatten die Mächtigkeit der psychologischen Kriegsführung der USA unterschätzt. Sie konnten nicht ahnen, dass Deutschland sich total den Interessen der USA unterwerfen würde und seine ganze finanzielle und wirtschaftliche Kraft ohne eigenen Vorteil in der Ukraine investiert, um sich an diesem Krieg mit Unsummen zu beteiligen. Und das geschieht vor dem historischen Hintergrund, dass Deutschland vor nur 80 Jahren etwa 25 Millionen Sowjetbürger umgebracht hat, darunter Millionen russischer Soldaten. Da waren die Deutschen enorm kriegstüchtig, aber auf dem falschen Schlachtfeld.
Ideologie mit Verlust und Gewinn
Die Ampel-Regierung vernachlässigt alle zivilen Ziele, die die Parteien im Wahlkampf hatten. Sie argumentieren und agieren nur zugunsten der Unterstützung amerikanischer Machtpolitik. Umwelt und Klima sind der grünen Partei aus dem Blick geraten. SPD-Kanzler Scholz investiert in Rüstung statt in die Zukunft und das Wohlergehen der Bevölkerung. Anstatt Inflation zu verhindern, macht er hunderte Milliarden an Staatsschulden, die die Finanzmacht stärken, die Inflation anheizen und die Allgemeinheit über Jahrzehnte belasten.
Im Gegensatz zu Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und anderen europäischen Ländern können die USA konkrete Vorteile aus der Kriegssituation ziehen, und sie haben noch grössere Gewinne im Blick, wenn der Krieg gegen Russland sich weiter hinzieht. Die USA riskieren wenig, Europa riskiert viel, die Ukraine riskiert alles und Russland wird auf jeden Fall geschädigt. Einer dieser Kriegsgewinne der USA liegt bei der Rüstungsindustrie. Schon jeder Nato-Beitritt bringt riesige Aufträge. Mehr als die Hälfte aller Rüstungsausgaben fliesst in die USA. Der Krieg sorgt für Konjunktur und Wachstum.
Schwieriger zu verstehen ist, wie die Finanzwelt an der Wall Street vom Krieg profitiert. Der Krieg stärkt den Dollar, der tief in einer Systemkrise steckt und zusammenbrechen muss, wenn nicht Waren und Geld aus dem Ausland fliessen. Ausserdem wird die viel zu grosse Menge an Dollars im Krieg zum Teil vernichtet. Das stabilisiert das Finanzsystem, solange das Geld, das vernichtet wird, nicht aus der US-Finanzwelt kommt, sondern vom Steuerzahler. Die immensen Dollar-Schulden der Ukraine sollen dadurch getilgt werden, dass die Agrarflächen im fruchtbarsten Land Europas in den Besitz der Finanzmärkte übergehen.
Noch lukrativer ist die Aussicht, durch Schwächung der russischen Regierung an die grössten Bodenschätze der Welt zu kommen, und zwar an die Lagerstätten, die in Staatsbesitz sind. Ein Land, das solche Reichtümer nicht privatisiert und nicht dem Finanzmarkt zugänglich macht, ist ein natürlicher Feind der US-Finanzindustrie. Das gilt nicht nur für Russland, sondern auch für Venezuela, Iran und Syrien und es galt für die bereits zerstörten Länder Irak, Afghanistan und Libyen. Aus diesem Grund wird das Ende des Krieges, im Interesse der Finanzmacht, so lange wie möglich hinausgeschoben. Joe Biden folgt wie Olaf Scholz der stärksten Macht in der westlichen Werte-Welt, der feudalen Finanzmacht.
Rob Kenius betreibt die systemkritische Webseite kritlit.de