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Wie die NZZ Russland zum Feindbild formt
Ein NZZ-Kommentar fordert militärische Eskalation gegen Russland.» Kritiker werfen der Zeitung historische Verzerrung vor.
Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), lange als seriöses «Intelligenzblatt» der Schweiz bekannt, veröffentlicht seit geraumer Zeit regelmässig scharf formulierte Beiträge über Russland. Der Journalist Christian Müller kritisiert, dass diese Berichte nicht nur Präsident Wladimir Putin angreifen, sondern oft ein ganzes Volk pauschal verurteilen. Damit trage die Zeitung zur Verbreitung von Ressentiments bei, so Müller. Das Schweigen der NZZ-Aktionäre interpretiert er als stillschweigende Zustimmung zu dieser Linie.
Der Auslöser: ein Gastbeitrag vom 29. Juli 2025
Unter dem Titel «Ohne Sieg über Russland gibt es keinen Frieden» liess die NZZ den Politberater Andrew Chakhoyan zu Wort kommen. Chakhoyan, in der Ukraine geboren und heute US-Staatsbürger, ist «Academic Director» an der Universität Amsterdam und berät Regierungen in strategischen Fragen. Gleich zu Beginn warf er Russland «gewalttätigen Revanchismus» vor – ein Begriff, den Müller als historisch unzutreffend einordnet.
Zur Erinnerung: Im Zweiten Weltkrieg spielte die Rote Armee eine zentrale Rolle beim Sieg über Nazi-Deutschland. Sie entschied die Schlachten von Stalingrad und Kursk für sich und befreite Auschwitz. Ohne diesen Beitrag, so Müller, wäre Europa vermutlich länger unter nationalsozialistischer Kontrolle geblieben. Vor diesem Hintergrund wirkt der Vorwurf eines russischen Revanchismus fragwürdig.
Kontext und ideologisches Umfeld
Chakhoyan publiziert regelmässig auf Euromaidanpress, einer pro-ukrainischen Plattform, die den Machtwechsel in Kiew 2014 als «Revolution der Würde» bezeichnet. Diese Einordnung ist umstritten, da Kritiker sie als gezielte politische Rahmung sehen. In der NZZ wiederholt Chakhoyan seine Forderung nach einer härteren militärischen Gangart gegen Russland.
Er schrieb: «Der tief verwurzelte Pazifismus ist daran mitschuldig: als moralisches Prinzip und als bequeme Ausrede.» Damit macht er westliche Zurückhaltung für die Eskalation verantwortlich. Müller hält dagegen: Die NATO-Osterweiterung, US-Raketenstationierungen in Polen und Rumänien sowie das Ausbleiben verbindlicher Sicherheitsgarantien seien zentrale Auslöser des Konflikts – Aspekte, die im NZZ-Beitrag unberücksichtigt bleiben.
Forderungen mit Sprengkraft
Chakhoyans Vorschläge umfassen:
- Überweisung von 300 Milliarden Dollar eingefrorener russischer Vermögenswerte an die Ukraine
- Verschärfung der Sanktionen
- Sperrung der Ostsee für russische Schiffe
- Lieferung von Langstreckenwaffen wie Taurus-Marschflugkörpern.
- Einrichtung eines umfassenden Luftabwehrsystems über der Ukraine.
Müller zufolge sind dies Schritte, die den Krieg nicht verkürzen, sondern eher verschärfen könnten. Er warnt, dass solche Massnahmen eine direkte militärische Konfrontation zwischen NATO und Russland wahrscheinlicher machen.
Die NZZ und ihre Autoren
Leserinnen und Leser der NZZ kennen die militärisch geprägten Kommentare von Andreas Rüesch und Georg Häsler. Mit Chakhoyan, so Müller, habe die Redaktion nun zusätzlich einen Autor mit eindeutiger Eskalationsagenda ins Boot geholt. Dies verdeutlicht, dass die Zeitung nicht nur berichtet, sondern aktiv Einfluss auf die geopolitische Meinungsbildung nimmt.
Offene Fragen
Müller fragt, warum die NZZ-Aktionäre nicht einschreiten und weshalb die Redaktion immer wieder Gastautoren auswählt, die sich klar für Krieg aussprechen. Chakhoyans beruflicher Hintergrund – unter anderem bei Booking.com und dem Weltwirtschaftsforum (WEF) – deutet auf Erfahrung in strategischer Kommunikation und Lobbyarbeit hin. Für Müller ist dies ein weiteres Indiz dafür, dass die NZZ gezielt politische Narrative verstärkt.
Quellen: Kommentar von Christian Müller auf dieschweiz-online.ch, 2. August 2025; NZZ, 29. Juli 2025.


